Cannabinoide – Was sie sind und wofür sie gut sind

17. July 2020

Was sind Cannabinoide?

Mit der Pflanzenbezeichnung "Cannabis sativa" verbinden viele Menschen zuächst illegale Drogen wie Marihuana oder Haschisch. Tatsächlich ist damit jedoch ganz normaler Hanf gemeint. Die vielleicht älteste Kulturpflanze der Menschheit hat nichts mit Rauschgift zu tun, sondern viel mehr mit medizinischen Anwendungen und sinnvollen Ergänzungen zur täglichen Ernährung. Vor allem ist Hanf als Quelle für sogenannte Cannabinoide wichtig geworden - Inhaltsstoffe, die spezifische Wirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Hier erfahren Sie mehr.

Hanf - eine Pflanze mit vielen Gesichtern

Hanf ist als Kulturpflanze schon seit mindestens fünftausend Jahren bekannt. Im 18. Jahrhundert wählte der Naturforscher Carl von Linné die griechische Bezeichnung für Hanf, Cannabis, um der gesamten Pflanzengattung einen wissenschaftlichen Namen zu geben. Anders als der indische Hanf (Cannabis indica) enthält Cannabis sativa wenige bis gar keine berauschenden Substanzen. Allerdings kann man die Hanfpflanze ausgezeichnet kultivieren. Hanf-Fasern lassen sich zu sehr widerstandsfähigen Stoffen und Textilien, aber auch zu Papier, Seilen, Tauen und Verbandmaterialien verarbeiten. Damit ist Hanf eine enorm vielseitige und höchst ehrenwerte Nutzpflanze. Mehr als fünfzig verschiedene Nutzhanf-Sorten werden derzeit in Europa angebaut. Die Wirkungen ihrer interessantesten Inhaltsstoffe, der Cannabinoide, werden seit Jahrzehnten intensiv erforscht. Kein Wunder also, dass Cannabisprodukte wie CBD-Öl oder CBD- Blüten oder Hanf-Nahrungsergänzungsmittel inzwischen ganz legal erhältlich sind.

 

Cannabinoide - die wohl wichtigsten Inhaltsstoffe der Hanfpflanze

Cannabinoide werden durch den Stoffwechsel der Hanfpflanze produziert. Mindestens 113 verschiedene Substanzen werden dieser Stoffgruppe derzeit zugeordnet. Diese Wirkstoffe der Pflanze sind absolut essentiell und für den alltäglichen Gebrauch sehr gut verwendbar. Die Substanzen und die Wirkungen, die ihnen zugeschrieben werden, sind:

  • Cannabidiol (CBD - schmerzlindernd, antibakteriell, blutzuckerspiegelsenkend, lindert Übelkeit, entzündungshemmend, soll Zellwachstum von Tumorzellen hemmen, antipsychotisch, angstlösend, krampflösend, fördert das Knochenwachstum, immunsuppressiv, neuroprotektiv)

  • Cannabidiolsäure (CBDA - entzündungshemmend, soll Zellwachstum von Tumorzellen hemmen)

  • Cannabinol (CBN - schmerzlindernd, schlaffördernd, krampflösend)

  • Cannabigerol (CBG - antibakteriell, entzündungshemmend, soll Zellwachstum von Tumorzellen hemmen und Knochenwachstum fördern)

  • Cannabichromen (CBC - schmerzlindernd, entzündungshemmend, soll Zellwachstum von Tumorzellen hemmen und Knochenwachstum fördern).


Auch bei der Behandlung von Stress und Angstzuständen werden Cannabinoide - vor allem CBC - eingesetzt. Cannabinoide können außerdem bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels helfen oder die Vermehrung von Bakterien, Viren oder Pilzen hemmen. Neben Präparaten mit isolierten Cannabinoiden, die nur einen oder wenige Stoffe enthalten, gibt es auch sogenannte Vollspektrum-Produkte. Sie werden in einem besonders schonenden Spezialverfahren gewonnen und enthalten eine Vielzahl naturreiner Cannabinoide in Kombination. Dies ist deshalb wichtig, da man annimmt, dass sich die einzelnen Stoffe gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen und so intensiver wirken.

 

Wie wirken Cannabinoide im menschlichen Körper?

Viele Zellen des Körpers besitzen sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren. Dies sind Andockstellen in der äußeren Zellmembran, an die Cannabinoide sich chemisch binden können. Hierdurch wird eine Reaktion der Zelle ausgelöst. Cannabinoid-Rezeptoren finden sich zum Beispiel an Nervenzellen, Knochen- und Immunzellen, aber auch an Zellen des Darms. Überall wo Cannabinoid-Rezeptoren vorhanden sind, können Cannabinoide eine Zellreaktion anregen - zum Beispiel, dass von einem bestimmten Enzym weniger produziert wird. Das macht sie zu potenziell wichtigen Helfern bei der Steuerung von Stoffwechselvorgängen. Die Tatsache, dass der Körper auf Cannabinoide reagiert, ließ Forscher überhaupt erst nach entsprechenden Rezeptoren suchen. Dabei entdeckten sie etwas extrem Spannendes: das endogene (körpereigene) Cannabinoidsystem des Menschen. Cannabinoid-Rezeptoren machen nämlich nur Sinn, wenn der Körper selbst einen chemisch ähnlichen Stoff produziert - und genau das tut er! Aber was macht er damit?

 

Cannabinoide als Botenstoffe im menschlichen Körper

Die sogenannten Endocannabinoide sind Botenstoffe, die Kommunikation zwischen Zellen ermöglichen und so bei der Steuerung wichtiger Körpervorgänge helfen. So sind sie zum Beispiel an der Schmerzverarbeitung beteiligt, am Einschlafvorgang, bei Gedächtnisprozessen (auch beim "Verlernen" von Angstreaktionen), am Immunsystem, am Knochenauf- und -abbau, an der Bewegungssteuerung und vielem mehr. So können sie zum Beispiel das Wachstum von Tumoren hemmen oder den Appetit steuern. Und da Cannabinoide aus dem Hanf ihnen chemisch sehr ähnlich sehen, können sie ebenfalls an ihre Rezeptoren andocken, um ähnliche Wirkungen zu entfalten. Sie sehen: Cannabinoide sind potenziell höchst hilfreiche Substanzen, die ein breites Wirkungsspektrum abdecken - und so einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten können.